Hat London nach der Entscheidung der Briten für den Brexit noch eine Zukunft als Finanzplatz?

Hat London nach der Entscheidung der Briten für den Brexit noch eine Zukunft als Finanzplatz?

Immer lauter pfeifen es die Spatzen von den Dächern: Viele in London ansässige Banken planen noch vor Jahresende 2016 einen weitreichenden Abzug von Mitarbeitern aus London. Der bisher wichtigste europäische Finanzplatz steht, nach dem Votum der britischen Bevölkerung für den Austritt aus der Europäischen Union, zur Disposition.

Schwere Zeiten für den wichtigsten Finanzstandort in Europa. Diverse Banken und Großbanken, die bisher hauptsächlich in London angesiedelt waren, planen nunmehr, ganze Bereiche und Mitarbeiter in andere Länder abzuziehen. Nicht nur das Investmentbanking ist betroffen, auch andere Sektoren der Finanzbranche verkleinern ihre Belegschaften in der britschen Hauptstadt. Zudem entwickelt sich dieser Abzug äußerst rasant: Bis Dezember 2016 wollen einige Banken und Finanzdienstleister ganze Sparten abgezogen haben. Diese Entwicklung, die als Folge des Votums für einen Austritt Großbritanniens aus der EU angesehen werden kann, bedeutet eine massive Schwächung Londons als Finanzplatz. Doch das ist noch nicht alles: Einige Städte auf dem europäischen Kontinent gelten bereits als mögliche Nachfolger. Selbst die EZB agiert inmitten dieser Wirren nicht unparteiisch und spricht sich für einen Finanzstandort innerhalb der Eurozone aus.

Stichwort Euro-Clearing

Über weitreichende spezielle Rechte war es bisher in London möglich, obgleich Großbritannien nie Teil der Währungsunion war, Wertpapierhandel in Euro-Währung mit dem europäischen Kontinent einfach abzuwickeln. Deshalb, im Fachbegriff Euro Clearing genannt, arbeiten hier viele Banken in genau diesem Bereich. Doch nach dem Brexit sollen diese abgezogen und anderswo eingesetzt werden. Dabei schielt man auf mögliche Finanzplätze der Zukunft, die sozusagen das neue London werden könnten. Hinter verschlossenen Türen munkelt man etwas von Luxemburg, Dublin, Paris oder Frankfurt. Der EZB dürfte eine Entscheidung pro Frankfurt leichtfallen, schließlich hat sie dort bereits ihren Sitz. Mit Sicherheit werden nicht alle der dann betroffenen Banker auf den europäischen Kontinent umziehen, viele Banken ziehen ihre Profis aus diesen Segmenten auch nach Singapur oder New York ab. Wohin die Entwicklung geht, wird sich spätestens bis Frühjahr 2017 zeigen, bis dahin soll der Fahrplan für den EU-Ausstieg Großbritanniens feststehen.